Schwimmende Häuser, damit sind nicht etwa Kreuzfahrtschiffe oder Hausboote gemeint, sondern sogenannte Floating Homes. Das sind meist Einfamilienhäuser mit mehreren Stockwerken, die an einem festen Platz auf Wasser liegen und mit flexiblen Leitungen und Rohren an örtliche Wasser-, Strom- und Kommunikationsnetze angeschlossen sind. Besonderheiten bestehen beispielsweise aus der Sicherheit gegen Hochwasser sowie in einer eigenen Anlegestelle für Wasserfahrzeuge wie Boote oder Jetskis. Das Interessante bei dem Thema: Floating Homes bzw. Floating Houses gibt es auch in Deutschland.

Der große Unterschied zum Hausboot

„Hausboot“ und „Floating Home“ werden im Volksmund meist noch synonym verwendet. Darin liegt aber ein großes Missverständnis. Denn ein Hausboot ist ein autarkes und mobiles System, mit dem sich je nach Ausstattung und Aufbau Seen, Flüsse oder sogar Meere erkunden lassen. Es ist ein Fahrzeug, für dessen Bewohnung und Bewegung ein Kenntnisnachweis erforderlich ist. Wasser, Abwasser und Strom müssen zudem in eigenen Systemen bzw. durch Anlegen an entsprechenden Versorgungsstätten organisiert werden.




Beim Floating Home oder Floating House ist das Gebäude zwar auch auf der Wasseroberfläche verortet, das allerdings an einem festen Liegeplatz und mit steter Verbindung zu den örtlichen Netzen. Wasser, Abwasser, Strom, Telefon, Internet und dergleichen können also wie auch an Land genutzt werden. Der Vorteil: es ist kein Bootsführerschein nötig, da das Haus nicht bewegt werden kann und auch nicht über Motor, Steuer oder andere Möglichkeiten für die Mobilität ausgestattet ist. Die bessere deutsche Bezeichnung ist daher „Schwimmhaus“.

So ist ein Floating Home vor dem Wegschwimmen gesichert

Ein Floating Home befindet sich also, unabhängig vom aktuellen Wasserstand des Liegeplatzes, immer auf der Wasseroberfläche. Das ist der große Unterschied zu weiteren Gebäudearten, mit denen diese Art Haus oft verwechselt wird: Pfahlbauten. Bei diesen handelt es sich um auf feststehenden Pfählen auf einer definierten Höhe angelegte Immobilien. Die Höhe wird dabei meist aus Erfahrungswerten heraus bestimmt, sodass das Wasser die Räumlichkeiten nicht flutet. Angesichts der Klimaerwärmung und dem Ansteigen der Wasserstände ist das aber nicht mehr nachhaltig genug.

Nachhaltiger ist das Floating House, bei dem das Fundament auf dem Wasser schwimmend dafür sorgt, dass sowohl Niedrig- als auch Hochwasser keinen negativen Einfluss auf die Räumlichkeiten haben. Realisiert wird das mit einem Ponton aus Stahlbeton. Ein Schiffsrumpf ist aufgrund der oben erklärten Immobilität nicht notwendig. Dafür gibt es eine spezielle Verankerung, die in Verbindung mit dem Betonwannen-Ponton dafür sorgt, dass das Haus stabil im Wasser liegt. Unruhige Verhältnisse und Schwanken sind anders als bei Aluminium- oder Kunststoff-Fundamenten nicht zu erwarten.

Floating Houses in Deutschland – bauen lassen oder fertig kaufen

Floating Houses auch in Deutschland – hier zu sehen ein Floating House in Amsterdam

Floating Houses als noch zu bauende Häuser sowie Floating Homes als schon bestehende Angebote werden in Deutschland unter verschiedenen Gesichtspunkten angeboten. Steht hier das nachhaltige, naturnahe Wohnen in Zeiten von Klimadebatten im Vordergrund; werden da in anderen Angeboten die luxuriösen Dimensionen einer auf dem Wasser gelegenen Privatfläche mit rundum ragendem Ausblick aufgezeigt. Das Schwimmhaus ist also etwas für jede Zielgruppe, von naturbedachten Individualisten hin zu Genießern, die viel Wohnfläche mit einzigartiger Umgebung kombinieren wollen.

Aktuelle Angebote finden sich unter anderem in Berlin. Das Projekt „Humboldt-Insel Berlin“ bringt neben anderen Wohnungs- und Haus-Angeboten auch auf dem Wasser liegenden Wohnraum hervor. Als derzeitiges Vorzeigeprojekt für Floating Homes in Deutschland sprechen die Angebote unterschiedlichste Interessenten an. Auf drei Stockwerken werden ein sonnendurchflutetes Studio, eine Dachterrasse mit Fläche einer Zweiraum-Wohnung sowie die weiteren Räumlichkeiten wie Schlafzimmer, Bad und Küche beworben. Der umlaufende Steg kann als Terrasse, Anlegestelle und Angelplatz genutzt werden.

Schwimmhaus-Verhältnisse im deutschsprachigen Raum

Die Idee des Schwimmhauses stammt natürlich nicht primär aus dem deutschsprachigen Raum, sondern aus Küsten- und Inselgebieten der Erde, an denen Wohn- und Arbeitsraum direkt am und auf dem Wasser in der Vergangenheit essenziell waren. Durch die globalisierte Sicht auf den Immobilienmarkt und den Wunsch nach individuellem Wohnen kam das Schwimmhaus schließlich auch nach Europa und speziell nach Deutschland und Österreich. In Österreich ist diese Art des Hauses allerdings eine große Ausnahme. Keine baurechtlichen Bewilligungen für Floating Homes gibt es beispielsweise in der Schweiz.




In Deutschland jedoch wurden in den letzten Jahren einige Regeln und Grundlagen festgeschrieben, nach denen es sich in den Kommunen und Ländern zu richten gilt. Am bekanntesten sind die „Hamburger Regeln“ und ein von der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung stammendes, in Berlin anzuwendendes Merkblatt. In beiden Publikationen sind Floating Houses als Lieger beschrieben, die besondere Schwimm- und ggf. auch Transport-Eigenschaften haben müssen. Bau- bzw. liegerechtliche Genehmigungen sowie Nutzungsverträge von Wasser- und Schifffahrtsämtern werden darin ebenfalls vorausgesetzt.

Vorteile für Stadtplaner und Bewohner/innen

Wie weiter oben schon erwähnt, so sind Floating Homes als Teil der „amphibischen Architektur“ vor allem in der westlichen Welt nicht nur eine neue Luxus-Idee, sondern auch eine Reaktion auf steigende Gewässerpegel. Die Idee an sich stammt aus Asien, wird hierzulande von Immobilienunternehmen und Stadtplanern aber aktuell aus unterschiedlichen Gründen übernommen. Unter anderem von Hochwasser bedrohte Regionen an der Küste respektive am Ufer eines Flusses wie Elbe oder Rhein lassen sich mit dieser Art Architektur sicher bebauen.

Beispiele aus den Niederlanden zeigen zudem die Möglichkeit, Ponton-Bauten auf Land zu schaffen. Diese steigen dann im Falle eines Hochwassers oder einer Flut an und sichern so die Unversehrtheit von Immobilie, Einrichtung und Bewohner/innen. Diese können in Folge dieser Eigenschaften mit Vorteilen der Versicherung rechnen. Denn falls eine Versicherung ein Haus in einem Hochwassergebiet absichert, dann meist zu hohen Beiträgen. Mit Floating Homes ließen sich diese tendenziell senken.

Fazit zum Thema Schwimmhaus in Deutschland

Das Floating Home oder Floating House in Deutschland kann aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden. Einerseits ist es ein individuelles und luxuriöses Wohnerlebnis für alle, die sich eine solche Immobilie bauen lassen oder kaufen. Andererseits ist es eine moderne Möglichkeit, an wassernahen Stellen bzw. direkt auf dem Wasser zukunftsorientierten Wohnraum zu schaffen. Zu erwarten ist, dass das Konzept sich ausbreiten und weiteren Anklang in deutschen Städten sowie auch in kleineren Orten, an Flüssen genauso wie in der Mecklenburgischen Seenplatte oder bei Wohnprojekten in Berlin finden wird. Insgesamt ein positiver Trend!

Zusätzlich verwendete Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Schwimmhaus



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